fotoIn Die Zeit van 15 juli 2004 doet Ursula März in welhaast bijbelse bewoordingen (het leest als het boek Genesis) kond van haar liefde voor en haar afkeer van Noordwijk als Seebad aller Seebäder. Het had allemaal zo mooi kunnen zijn, volgens Ursula en het ís allemaal ooit ook zo mooi geweest. Ik neem – met respect voor de copyrights van Die Zeit – haar verhaal hier bijna integraal over (voor de goede verstaander is nasynchronisatie ‘bestemd’ niet nodig):

Es war Sonntagabend. Gott hatte den Tag über geruht und sich noch einmal die Arbeit der vergangenen Woche vor Augen geführt. Er war mit dem Ergebnis zufrieden. Die Verteilung von Wasser und Land, von Freiflächen und Besiedelung ergab ein sinnvolles Gesamtbild, nicht weniger – aber auf bestimmte Weise auch nicht mehr. Es war kein Clou dabei, keine aufreizende Asymmetrie, kein verwegener Kontrast. Man müsste, überlegte Gott, ein Grandhotel direkt ans Meer stellen. Am besten auf eine Düne der triebhaften Nordsee. Hier die Wildheit von Ebbe und Flut. Dort die hohe Gepflegtheit von Tafelsilber, Etagenkellnern und Hautevolee. So kam es zur Erfindung der Seebäder.

Als perfekter Ort bot sich das holländische Fischerdorf Noordwijk an. Günstig gelegen an der Westküste Hollands, auf halber Strecke zwischen Amsterdam und Den Haag. Und schöner als in Noordwijk können auch heute eine Dünenlandschaft und ein Strand kaum sein; weiß, fußballfeldbreit, nach Norden und nach Süden so lang, wie das Auge reicht.

Und jetzt? Das fragt sich Gott manchmal, wenn er heute etwas ratlos auf Noordwijk schaut. In höflichen Gesprächen mit dem holländischen Fremdenverkehrsbüro lässt er das Wort Pluralismus der Stile fallen. In schlecht gelaunten Selbstgesprächen indes spricht er vom Tulpen-Las-Vegas für Bottroper Spießer. Denn das Seltsame ist, dass hier nicht nur jeder in allen Preisklassen, sondern auch auf alle Arten Urlaub machen kann. Denn in Noordwijk sind – und zwar in schier surrealer Dichte – sämtliche Topoi gegenwärtiger abendländischer Kultur vertreten sind: von der Hochzeitssuite im Palace Hotel mit Whirlpool neben dem Bett bis zum Wohnsilo, das es mit jeder Wellblechruine in der Peripherie von Rio de Janeiro aufnehmen kann. Hier eine Villa im englischen Landhausstil, direkt in ihrem Rücken ein Stück billige Fußgängerzone, an dessen Ende ein Supermarktparkplatz, gleich gegenüber eine Villa mit Reetdach, deren Vorgarten wiederum in eine Verkehrsinsel mit Blumenrabatten überzugehen scheint. Fünfzig Meter weiter eine Schnellpizzeria mit grinsender indischer Fruchtbarkeitsgöttin über dem Tresen, daneben eine putzige Eisdiele aus den Sechzigern. Überall dazwischen: zweistöckige metallgraue Betonriegel, die Ferienwohnungen mit Balkon enthalten.

Aber, tröstet sich Gott dann wieder, dieses Drunter und Drüber hat auch etwas Menschliches. So war es doch nun mal mit dieser Art Demokratie gedacht. Der touristische Haupttyp sind in Noordwijk heute der normale Deutsche und der normale Holländer. Die Leute brauchen frische Nordseeluft. Sie brauchen Spaziergänge in der eisern naturgeschützten Dünenlandschaft, und sie brauchen Amüsement am Strand. Das alles bekommen sie hier. Im Seebad Noordwijk, wo der Besucher innerhalb von dreißig Metern einen Bikini beim fliegenden Händler und eine Tasse Kaffee in der Lobby des Hotels Oranje zum gleichen Preis erwerben kann, zeigt sich das pragmatische Holland von einer schwindelerregenden Seite. Erlesenster Stil (zart gestreifte Tapeten im Badezimmer des Palace-Hotels) und durchgeknallter Geschmack (Heineken-Kneipe mit Fischernetz und Westernbalustrade) sitzen an einem Tisch.

Am liebsten aber denkt Gott, wenn er ehrlich ist, an einen Sommer zurück, als ein majestätisches Paar mit Sonnenbrille und zwei weißen Hündchen, leicht schaukelnd vom Wind und von ein paar Drinks, die Promenade entlangging. Liz Taylor und Richard Burton hier, in einem holländischen Küstenkleinstädtchen, zu sehen war für Gott schon deshalb großartig, weil der Anblick genau jene kleine extravagante Asymmetrie, jene kleine Verrücktheit besaß, die er sich von der Erschaffung von Seebädern einstmals versprochen hatte.