
Het schilderij van deze bramenzoekende dame in de duinen bij Noordwijk hebben we wel eens eerder aan de hand gehad. Het is van de Duitse schilder Max Slevogt die in de zomer van 1908 logeerde bij Paul Cassirer en diens vrouw Tilly Durieux, die kort daarvoor hun schitterende strandvilla hadden laten bouwen aan de Noordboulevard (wat toen nog geen boulevard was). Het latere Casa Mare dus. De vrouw op het schilderij is waarschijnlijk Tilly, in haar tijd een befaamd actrice. Het schilderij wordt nu geveild, biedingen vanaf € 70.000. De prijs zal wel oplopen tot zo’n 2 ton, veronderstel ik. Veel geld, maar dan heb je ook wat.
Op de veilingsite staat nog een mooi toelichtend verhaal in het Duits:
Äußerst seltenes Strandlandschaften-Sujet von Slevogts einziger Reise an die niederländische Nordseeküste • Entstanden während seines Aufenthaltes im Sommerhaus des Berliner Kunsthändlers und Verlegers Paul Cassirer • Dargestellt ist Tilla Durieux, bekannte österreichische Schauspielerin und spätere Ehefrau Cassirers Was müssen das für intensive Wochen im Sommer 1908 an der Nordsee gewesen sein! Da reisen die führenden Köpfe der Berliner Secession, Max Slevogt, Lovis Corinth und Max Liebermann nach Noordwijk zum gemeinsamen Malen in den Dünen und sind zu Gast im Sommerhaus des einflussreichen Galeristen und Kunsthändlers Paul Cassirers und seiner Freundin, der berühmten Schauspielerin Tilla Durieux. Erst zwei Jahre zuvor hatte das Paar das Ferienhaus nach ihren eigenen Vorstellungen inmitten der Dünen des damals aufstrebenden Badeorts bauen lassen. Das Haus stand ihren Freunden offen und die von Cassirer als Galerist vertretenen Künstler genossen selbstverständlich Gastrecht. Liebermann wohnte nicht direkt bei Cassirer, sondern, wie bei all seinen Aufenthalten in Noordwijk zwischen 1906 bis 1913, mit Frau und Tochter im nahe gelegenen Hotel „Huis ter Duin“. Es ist der einzige nachweisbare gemeinsame Aufenthalt der „Deutschen Impressionisten“ (wie Cassirer sie nannte) am Strand von Noordwijk. Das Wetter war laut eines Briefes von Liebermann anfangs zwar „abscheulich“, „die letzten 4 oder 5 Tage nur Regen und Wind“ – aber „sonst ist’s bis auf’s Wetter wundervoll hier“ (zit. nach: Ausst.-Kat. Mainz 2018/19, S. 13). Auch Max Slevogt beschreibt einen sorglosen Aufenthalt, jedoch kann er aufgrund der Geburt seines zweiten Kindes, Sohn Wolfgang, nicht länger als zwei Wochen bleiben. Für ihn, der im Vergleich zu Liebermann und Corinth nur wenig reist, ist es eine inspirierende Zeit. In Holland war er erst einmal zuvor gewesen, 1898 zur Rembrandt-Ausstellung in Amsterdam. Die Nordseeküste besucht er nur dieses eine Mal im Sommer 1908, weshalb das Sujet der Dünenlandschaft in seinem umfangreichen Œuvre sehr selten ist: In diesen beiden Sommerwochen entstehen lediglich sechs Gemälde, darunter die „Landschaft mit weißer Dame“. Dieses Werk ist erst im Zuge der Vorbereitungen des Landesmuseum Mainz für die 2018/19 gezeigte Ausstellung „Ein Tag am Meer“ wiederentdeckt worden. Mit dem Titel „Dame, Brombeeren suchend“ wird es 1918 auf der Ausstellung zu Slevogts 50. Geburtstag in Berlin gezeigt. Aufgrund des damaligen Titels ist davon auszugehen, dass das Gemälde wohl „das Sommervergnügen einer Brombeersuche zeigt, (und) belegt, dass es auch den ein oder anderen (gemeinsamen) Ausflug in die Dünen gegeben haben muss“ (ebd.). Vermutlich handelt es sich bei der dargestellten Dame in Weiß um Tilla Durieux. Die jahrzehntelange enge freundschaftliche Beziehung zwischen Slevogt und Cassirer legt dies nahe, zudem verzeichnet Slevogt in seinem handschriftlichen Werkverzeichnis Tilla Durieux als Besitzerin des Gemäldes. Die spannungsreiche Komposition des Gemäldes zeigt eine in vielfältigen pastos aufgetragenen Grüntönen dargestellte Dünenlandschaft, am Horizont im Hintergrund verschwimmen der hohe Himmel und das weite Meer miteinander. In diese fast abstrakt wirkende Landschaft setzt Slevogt am linken vorderen Bildrand die Dame in Weiß hinein und erzeugt damit eine interessante Spannung im Gemälde und eröffnet einen Dialog zwischen Figur und Raum. Die Dame lehnt sich mit einem elegant auf die Böschung gestützten Bein nach vorn und sucht die Brombeerzweige am Hang ab. Das weiße Kleid und der ebenfalls weiße, ihr Gesicht verschattende Hut reflektieren das helle Sommer-Sonnenlicht und bilden einen starken Farbkontrast zur deutlich dunkleren Dünenlandschaft im Zentrum der Komposition. Mit der Frau am Bildrand ist ein nahsichtiger und scheinbar zufällig ausgewählter Ausschnitt der Landschaft dargestellt, fast wie ein Urlaubsfoto, das den gemeinsamen Spaziergang außerhalb des Ferienhauses festhält.
